Warum kann sich dauerhafte Muskelspannung verselbstständigen?
Manchmal bleibt der Nacken angespannt, obwohl die Belastung längst vorbei ist. Um das zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Regelkreise zwischen Muskeln und Nervensystem.
Muskelspannung wird fortlaufend reguliert
In unseren Muskeln liegen kleine Sinnesorgane: die Muskelspindeln. Sie erfassen die Muskellänge und Veränderungen dieser Länge. Über sensible Nervenfasern gelangen diese Informationen zum Rückenmark und zu übergeordneten Zentren des Nervensystems.
Das Nervensystem verarbeitet diese Rückmeldungen und passt die Muskelaktivität an. Alpha-Motoneurone aktivieren dabei die Muskelfasern, die Kraft erzeugen.
Ein Beispiel ist der Dehnungsreflex: Wird ein Muskel rasch gedehnt, können Signale seiner Muskelspindeln über das Rückenmark eine Gegenkontraktion auslösen. Das hilft, unerwartete Längenänderungen abzufangen.
Vereinfacht entsteht ein Regelkreis:
Längenänderung im Muskel → Rückmeldung an das Nervensystem → Anpassung der Muskelaktivität → neue Rückmeldung.
Die Empfindlichkeit ist einstellbar
Die Muskelspindeln arbeiten nicht mit einer unveränderlichen Einstellung. Gamma-Motoneurone beeinflussen ihre Empfindlichkeit. Dadurch bleiben die Sinnesorgane auch während einer Muskelverkürzung funktionsfähig.
Gehirn und Rückenmark beeinflussen zugleich, wie stark Rückmeldungen die Muskelaktivität verändern. Die Regulation passt sich damit an Haltung, Bewegung und die jeweilige Aufgabe an.
Was verändert sich bei länger bestehenden Beschwerden?
Schmerzen können die Ansteuerung und Zusammenarbeit von Muskeln verändern. Manche Muskeln werden stärker aktiviert, andere weniger; auch die Verteilung der Aktivität innerhalb eines Muskels kann sich verschieben.
Solche Anpassungen können kurzfristig schützen. Bleiben sie bestehen, bewegen wir uns unter Umständen weniger abwechslungsreich und belasten bestimmte Bereiche häufiger.
In Untersuchungen wurden Veränderungen der Muskelansteuerung teilweise auch noch nach dem Abklingen eines experimentell ausgelösten Schmerzes beobachtet. Das bietet eine mögliche Erklärung dafür, warum ein verändertes Bewegungsmuster länger bestehen kann.
„Verselbstständigt“ bedeutet hier also: Ein zunächst hilfreiches Anpassungsmuster kann fortbestehen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass bei jeder anhaltenden Verspannung ein einzelner Reflex dauerhaft „festhängt“.
Was bedeutet das für die Myoreflextherapie?
In meiner Praxis betrachten wir deshalb neben einzelnen schmerzhaften Punkten auch Muskelaktivität, Beweglichkeit und das Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen.
Die Myoreflextherapie arbeitet mit gezielten Druckreizen an ausgewählten Muskelansatzbereichen. Diese setzen sensorische Reize. Ob und wie sich dadurch Beschwerden oder Bewegungen verändern, wird individuell beurteilt. Ergänzend können passende Bewegungsübungen helfen, wieder mehr Bewegungsvariabilität aufzubauen.
Merksatz:
Muskelspannung wird in Regelkreisen gesteuert. Länger bestehende Beschwerden können diese Steuerung und unsere Bewegungsmuster verändern.
Sie haben ähnliche Beschwerden? In unserer Praxis KörperG’fühl in Renningen prüft Frank Müller, ob die Myoreflextherapie für Sie infrage kommt. Jetzt Termin vereinbaren.
Im nächsten MYOREFLEX-WISSEN:
Wie hängen Atmung, Brustkorb und Nacken zusammen?

